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In diesem Teil der Geschichte von Köln-Bickendorf, möchten wir auch an die Seiten unseres Stadtteiles erinnern die vielleicht nicht zu seinen besten gezählt haben dürften. Nazi's und Krieg haben auch hier tiefen Wunden hinterlassen. Auch hier sind wir wie immer an weiterem Material interessiert, sowohl in Bild als auch Text. |
Bickendorf, Venloer Straße 888 Text auf der Gedenktafel an der Eisenbahnüberführung Venloer Straße / Mathias-Brüggen-Straße: Mai 1940 ... 1000 Roma und Sinti .... In unmittelbarer Nähe dieser Unterführung, neben dem damaligen Sportplatz des Vereins Schwarz-Weiß Köln, wurde 1935 von der Stadt das bewachte Zigeunerlager eingerichtet, in das die in Köln lebenden Roma und Sinti eingewiesen wurden. Hier wurden sie, von der übrigen Bevölkerung abgesondert, nach rassistischen Kriterien erfasst und zur Zwangsarbeit gepresst. Von hier aus wurden sie im Mai 1940 über den Bahnhof Deutz-Tief in Ghettos und Vernichtungslager im besetzten Polen verschleppt. Nur wenige kehrten zurück. Die Staatsauffassung des NS-Staates gründete auf der Ideologie der Volksgemeinschaft aus Blut und Boden, wobei Blut für Rasse, Boden für Verwurzelung des Menschen in der heimischen Scholle steht. Eine Ideologie, die geradezu voll Unsinnigkeit ist im Hinblick darauf, was ein Mensch sei und was seine Würde ist und darum Unheil über die Welt gebracht und Millionen von Menschen das Leben gekostet hat. Von einer jüdischen Rasse zu sprechen ist bestürzend dumm. Juden sind eine durch Familie, Geschichte, Religion und gemeinsames Schicksal gebildete Gemeinschaft, die keineswegs biologisch zu bestimmen ist. Die Verfolgung der Sinti und Roma fußte zunächst nicht auf der Behauptung einer minderwertigen Rasse, sondern auf der fehlenden Bindung an die Scholle, auf der Nichtsesshaftigkeit also, wegen der auch z.B. Tippelbrüder, Landstreicher, Vagabunden bedroht wurden. So galt seit 1937 im Deutschen Reich ein Erlass über Vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei. Der Erlass bedrohte jeden Menschen, der durch gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will mit unbefristeter Inhaftierung in einem Konzentrationslager oder Arbeitshaus. Genannt wurden im einzelnen Bettler, Landstreicher, Zigeuner, Dirnen, Alkoholiker. Weil der Erlass, Asozialen-Erlass genannt, offensichtlich nicht mit der erwarteten Strenge ausgeführt worden war, wurde in der Woche vom 13. bis 18, Juni 1938 die Aktion Arbeitsscheu Reich angeordnet, die Zigeuner und nach Zigeunerart herumziehende Personen in Konzentrationslager verbrachte, wenn keine feste lohnabhängige Arbeit nachgewiesen werden konnte. Ein probates Mittel, Sinti und Roma von der selbständigen Tätigkeit zu lohnabhängiger Arbeit zu zwingen, war die Internierung in Zigeunerlagern, sie konnten dann keinem Wandergewerbe mehr nachgehen und waren gleichzeitig unter Dauerkontrolle. Die Lager wurden außerhalb des Weichbildes einer Stadt errichtet. So hatte die Stadt Köln schon im April 1935 ein Lager mit Zwangscharakter, was über die bis dahin bekannten Wohnwagenstellplätze hinausging, auf dem Sportplatz Schwarz-Weiß errichtet. Das Lager lag etwa 500 m von der Venloer Straße im Zuge der heutigen Mathias-Brüggen-Straße in einem damals noch unbebauten Gelände. Das Bickendorfer Lager Venloer Straße 888 Am 23. 4. 1935 war die Platzanlage mit der Wohnbaracke des Wärters fertiggestellt und die Wohnung bezogen. Ein befestigter Weg für die Auffahrt der Wagen bildete den Zugang zum Platz. Die Toreinfahrt konnte mit einer Kette verriegelt werden. Nach ein paar Wochen wurde der Platz mit zwei Meter hohem Maschen- und Stacheldraht eingezäunt. Der Platz war nicht befestigt, nur zwei Rinnen waren gepflastert, um die Abwässer in Senkgruben zu befördern. Links der Zufahrt stand die Wachbaracke, ein Holzbau mit Betonfundament. Eine offene und deshalb leicht zu beaufsichtigende Wasserstelle mit mehreren Hähnen schloss an die lange Reihe der Aborte an. Die Anzahl der gegenüber der Wachbaracke in einem Holzbau untergebrachten Toiletten war aus Kostengründen von 25 auf 10 reduziert worden. Der Abfall wurde in Müllgruben gesammelt. (K. Fings/ S. Sparing, Kölner Zigeunerlager 1935-1958, Seite 19) Im August 1936 lebten 50 Familien mit 300 Personen in diesem Lager, ein Jahr später war die Zahl auf 400 bis 500 Personen angestiegen. Ein SS-Mann lebte mit seiner Familie in einer Wohnbaracke, er hatte für Ordnung zu sorgen und die Monatsmiete von 3,00 RM pro Wagen einzuziehen. Gegen Ende der 30 er Jahre verstärkte sich in der Presse der Druck gegen Sinti und Roma mit Losungen wie Schluss mit der falschen Romantik. Von Zeit zu Zeit wurden die Lager und ihre Insassen von der Polizei in Razzien untersucht. An die 30 Roma aus dem Bickendorfer Lager, die keine lohnabhängige Arbeit nachweisen konnten, wurden am 21. Juni 1938 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Das Rassehygieneinstitut hatte inzwischen damit begonnen, Roma und Sinti auch unter einem besonderen Rasseaspekt einzuordnen, letztlich mit dem Ziel, Zigeuner und Zigeunermischlinge als minderwertige Rasse definieren zu können. Die Deportation Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen brach im September 1939 der Zweite Weltkrieg aus. Die Überlebenschancen der verfolgten Bevölkerungsgruppen verschlechterten sich von da ab zusehends. Am 16. Mai 1940 wurden die Sinti und Roma aus dem Lager Bickendorf in das Sammellager Köln-Deutz verbracht, wo sie auf Verfolgte aus anderen Teilen des Landes trafen. Man hatte ihnen erklärt, sie würden in das von Deutschland besetzte Polen evakuiert, wo sie mit einem Häuschen und Kleinvieh versorgt würden. Eine Rückkehr nach Deutschland wurde strengstens untersagt. Folgende Anordnung war zu unterschreiben: Mir ist heute eröffnet worden, dass ich im Falle der Rückkehr nach Deutschland unfruchtbar gemacht und in polizeiliche Vorbeugehaft (Konzentrationslager) genommen werde. Nach Auflösung des Lagers Bickendorf wurden die leerstehenden Wohnwagen verbrannt. Am 21. Mai 1940 ging der Transport in Viehwaggons in Richtung Ostpolen vom Bahnhof Deutz-Tief ab und erreichte nach drei Tagen sein Bestimmungsziel, wo man die Deportierten sich selbst überließ, sie auch zur Zwangsarbeit verpflichtete oder in weitere Ghettos verteilte. Zwangsarbeit, Krankheit, Misshandlungen brachten vielen den Tod. Das Bickendorfer Lager nach 1945 Nach Kriegsende kehrten Überlebende in der Hoffnung, Verwandte und Bekannte zu treffen, auf den Bickendorfer Platz zurück und ließen sich auch dort nieder. Viele Bickendorfer erinnern sich noch an das Zigeunerlager. So können z.B. einige erzählen, dass sie als katholische Jugendgruppen von St. Dreikönigen das Lager zur Weihnachtszeit besuchten, um dort zu singen. Diesen Zeichen der Verständigungsbemühungen stehen jedoch Beschwerden von Bürgern bei der Stadtverwaltung über das Lager gegenüber. Die Stadtverwaltung war jahrelang bemüht, weiter außerhalb der Stadt Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Diese wurden 1958 in Köln-Roggendorf eingerichtet. Benutzte Literatur: Rajko Djuric, Zigeuner des Lexikons, die Roma in Nachschlagewerken: Ein Vorschlag zur Korrektur Karola Fings/Frank Sparing, Das Zigeunerlager in Köln-Bickendorf 1935-1958 Frank Sparing, Die Dienststelle für Zigeunerfragen bei der Kriminalpolizeileitstelle Köln Verlag Frölich & Kaufmann, Wohnsitz: Nirgendwo. Vom Leben und Überleben auf der Straße |
Unmittelbar in der Nähe des Lagers wurde nach dem Krieg dieses Foto aufgenommen, als die Amerikaner in Köln einzogen. |
Hier im Herzen von Bickendorf waren die Amerikaner gern gesehen und die Nazi Herrschaft hatte ein Ende. |